Wuppertaler Stadtsparkasse: Digital ins Jahr 2018

30.01.2018

Die gute Nachricht zuerst: Die Stadtsparkasse Wuppertal konnte ihre Bilanzsumme von 7,1 Milliarden Euro leicht steigern. Die Forderungen an Kunden liegen bei insgesamt 5,8 Milliarden Euro ebenfalls leicht im Plus. Dabei habe es 2017 mehr Kredite von Unternehmen und Privatpersonen gegeben, weniger von öffentlichen Haushalten.

Die Kreditneubewilligungen lagen mit 843 Millionen Euro unter denen des Vorjahres. Das liege laut Vorstandsvorsitzendem Gunther Wölfges vor allem daran, dass viel Eigenkapital vorhanden ist, welches angesichts der niedrigen Zinsen vermehrt investiert werde. Vergeben wurden insgesamt 1.905 Immobilienkredite und 606 Investitionskredite für Unternehmen. Weitere 8.100 Betriebsmittelkredite kamen noch hinzu.

Die Verbindlichkeiten gegenüber Kunden lagen nach Angabe von Vorstandsmitglied Axel Jütz bei 5,3 Milliarden Euro und damit höher als 2016. Dabei seien die Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen und öffentlichen Haushalten gesunken, die gegenüber Privatleuten – also Sparern – gestiegen (auf nun 3,9 Milliarden Euro). Vorziehen würden Sparer dabei immer seltener langfristige Verträge, sondern solche, mit kurzen Laufzeiten. Das Wertpapiergeschäft wuchs um 16,7 Millionen Euro auf 59,2 Millionen Euro – ebenfalls überwiegend im Privatbereich, wie Jütz betont. Beliebt seien vor allem Investmentfonds als Beimischung. Der Bereich der Wertpapiere sei dabei leicht gestiegen, der der Aktien etwas mehr, was jedoch nicht an vermehrten Ankäufen als vielmehr an der Kursentwicklung liege.

Die Zahl der Girokonten ging nach dem Tiefstand 2015 (als höhere Kontoführungsgebühren eingeführt wurden) nun wieder nach oben. Hatte die Sparkasse in Wuppertal 2016 insgesamt 215.040 Girokonten (2015: 213.020), so sind es jetzt 217.100. Das lag laut Jütz unter anderen auch an Neubürgern, die ein Konto eröffnet haben. Dabei habe das teuerste Konto um zehn Prozent zugelegt, das mittlere Modell hätten rund 1.000 Kunden neu gewählt. Die Nachfrage nach der preiswertesten Variante sei dagegen zurückgegangen. Jütz: „Die Konten verschieben sich in leistungsstärkere Bereiche.“

Was einst ein „Nebenprodukt“ war, werde immer mehr zum Standard. Jütz meint damit das Geschäft mit Versicherungs- und Bausparprodukten, die ebenfalls mehr nachgefragt würden. Konnte die Stadtsparkasse 2016 insgesamt 78.285 Verträge zählen, waren es 2017 insgesamt 80.597. Aus Vermittlungen kamen so drei Millionen Euro auf der Habenseite hinzu. Das ist laut Wölfges etwas mehr als im Vorjahr. Der Zins- und Provisionsüberschuss lag bei 157,4 Millionen Euro (2016: 155,9 Millionen Euro), wobei ausschließlich die Provisionen zum Mehr beigetragen hätten, so Wölfges. Die Kosten der Sparkasse sind aufgrund einer Umstellung der Informationstechnologie von 112,6 Millionen Euro 2016 auf 114,8 Millionen Euro gestiegen. Die Personalkosten seien gleich geblieben. In diesem Ausbildungsjahr haben 35 junge Menschen bei der Sparkasse angefangen; insgesamt werden damit derzeit 97 Bankkaufleute ausgebildet. Hinzu kommen 1.260 Mitarbeiter (40 weniger als im Vorjahr).

Das Betriebsergebnis (vor Bewertung) sank von 45,3 Millionen Euro 2016 auf nun 44,9 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss stieg leicht auf 13,2 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote konnte von 16,2 Prozent auf 17,8 Prozent erhöht werden. Die Kernkapitalquote lag bei 16,2 Prozent (2016: 14,6 Prozent). Das sei nicht nur eine Forderung von Basel II, sondern diene auch der eigenen Absicherung in Bezug auf die Niedrigzinsen, versichert Wölfges.

Bis 2022 werden sich die niedrigen Zinsen noch im Ergebnis abbilden. Denn dann laufen auch die Verträge mit den längsten Laufzeiten der damit 15-jährigen Niedrigzinsphase aus, erklärt Wölfges. Danach könne es nicht schlimmer werden. Bis dahin gilt im Vorstand die Devise: „Wir werden  alles dafür tun, die Sparer vor Negativzinsen zu bewahren.“ Im Gegensatz dazu müssen Firmenkunden ab einer Million Euro Einlage zahlen, und zwar in der Höhe, die die Sparkasse selbst an die Europäische Zentralbank zahlen muss. Wölfges spricht dabei vom „Verweilgeld“.

Eine Strategie, Negativzinsen zu vermeiden, ist, das Digitale mehr zu betonen, wenn die Beratung in den Filialen und am Telefon auch bestehen bleibe, erklärt Jütz. Denn schon jetzt habe man die meisten Kontakte zu den Kunden über die Sparkassen-Applikation (App). Danach kommen die meisten Kunden über die Internetseite auf die Sparkasse zu.

An den 35 Filialen wolle man dennoch festhalten, wobei die am Kipdorf durch die neu zu errichtende Filiale am Döppersberg im sogenannten Köbo-Haus getauscht wird. Patrick Hahne, stellvertretendes Mitglied im Vorstand, nennt weitere Details: Mit der App und über das Internet traten die Kunden im vergangenen Jahr insgesamt 35,7 Millionen Mal mit der Sparkasse in Kontakt. Das sind zwölf Prozent mehr als im Vorjahr. Die App alleine werde 39.370 Mal im monatlichen Durchschnitt genutzt. Das liege auch an der Leistungserweiterung, bei der man zum Beispiel mit wenigen Klicks Geld bis 30 Euro vom eigenen Konto auf das Sparkassen-Konto eines Freundes überweisen könne, so Hahne.

Hinzugekommen sei zudem die sogenannte Foto-Überweisung, bei der eine Rechnung gescannt und die Daten dann automatisch übernommen werden können, ohne diese eintippen zu müssen. Möglich wird zudem der Abschluss von Privat- und Fahrzeugkrediten über die Applikation. Nun soll der Fokus verstärkt auf Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter, Instagram und WhatsApp gelegt werden, um vor allem junge Menschen dort zu treffen, wo sie aktiv sind. Die Sparkasse will die auch deshalb in den Blick nehmen, weil bei allen Erwachsenen rund ein Viertel nicht für ihr Alter vorsorgten, die Quote bei Jüngeren sogar bei 34 Prozent liege. Und das, obwohl laut Umfragen rund 60 Prozent mit ihrer finanziellen Situation zufrieden seien.

Um junge Menschen schon frühzeitig zum Sparen zu animieren, gehen Mitarbeiter der Stadtsparkasse laut Wölfges in die Schulen, um Einblicke in Sachen Sparen und Haushalten zu bieten. Der Erfolg zeige sich immer beim Weltspartag im Oktober: 2017 hätten 2.790 junge Sparer ihre Spardosen in einer der Wuppertaler Sparkassen-Filialen abgegeben.

Insgesamt sei ein leichter Anstieg bei der Sparquote zu bemerken, wobei Sicherheit immer noch im Vordergrund stehe. Dabei sei zudem ein deutlicher Trend von (Lebens-) Versicherungen hin zu Immobilien als Geldanlage zu erkennen. Aber: 2017 gingen die Immobilienkäufe zurück, denn das Angebot ist ebenfalls zurückgegangen, berichtet Wölfges. Vermerkt habe die Sparkasse zudem Preissteigerungen um bis zu 20 Prozent. Dabei liege Wuppertal im Deutschland-Vergleich laut Wölfges bei der Eigentumsquote von 45 Prozent immer noch im unteren Bereich.

Auch an die Umwelt will die Sparkasse denken, wenn es zum Beispiel um die Kontoauszüge geht, die nach wie vor in den Filialen ausgedruckt werden können. Pro Jahr seien das etwa 3,6 Millionen Blätter, die – würde man sie stapeln – einen 730 Meter hohen Turm ergeben würden. Würde man das reduzieren, wäre das aus ökologischer Sicht sicherlich sinnvoll, sagt Hahne. Erleichtern will man den Kunden die Entscheidung durch einen elektronischen Safe, in dem man PDFs, Kopien vom Führerschein, Verträge und vieles mehr sicher aufbewahren kann, ohne sie ausdrucken zu müssen. Neu ist zudem das Programm „Yes“, in dem man die eigenen Daten inklusive Adressen, Kenn- und Passwörtern für Online- Shops hinterlegen kann. Dafür müsse man sich nur einmal über die Sparkasse registrieren, danach erfolge die Datenübertragung automatisch. Zur Verfügung steht „Yes“, das man über die Sparkassen-Seite finden wird, ab dem zweiten Quartal 2018.

Silke Nasemann

Bergische Blätter Verlags GmbH


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